Seid ihr Fans des Kult-Animes BLEACH oder wollt vielleicht noch einer werden, ohne euch durch die unzählige Episoden zu kämpfen? Dann könnte BLEACH: Rebirth of Souls genau das Richtige für euch sein!
Entwickelt von TAMSOFT CORPORATION und veröffentlicht von Bandai Namco am 21. März 2025, bringt dieses neue Prügelspiel nicht nur seine ganz eigenen Mechaniken und eine tolle Charakterauswahl mit, sondern versucht auch den Charme und die Atmosphäre des beliebten Animes und Mangas perfekt einzufangen.
Als Kind war mein Tagesablauf ziemlich einfach: Aufstehen, (natürlich hochmotiviert) in die Schule gehen und “pflichtbewusst” die Hausaufgaben erledigen. Nach all der harten Arbeit wartete dann die wohlverdiente Belohnung – Zeit vor dem Fernseher. Und genau so kam ich früher oder später mit BLEACH in Berührung. Die Geschichte rund um Ichigo und seine Freunde war so mitreißend und unterhaltsam, dass ich kurzerhand beschloss, mein ganzes Taschengeld in den Manga zu investieren. Das Ergebnis damals? Pleite, aber dafür ziemlich glücklich. Selbst heute stehen die Bände noch in meinem Regal, verbunden mit unzähligen schönen Erinnerungen. Kein Wunder also, dass ich jedes neue BLEACH-Spiel mit Spannung erwartet habe – auch wenn sie mit der Zeit immer seltener wurden. Umso größer war dann natürlich meine Vorfreude auf Rebirth of Souls.
Aushilfe-Shinigami im Einsatz
Für alle, die mit der Serie nichts anfangen können, hier die Basics: Der Protagonist Ichigo ist eigentlich ein ganz normaler Teenager. Er geht zur Schule, verbringt Zeit mit seinen Freunden und versteht sich gut mit seiner Familie. Doch eine Besonderheit hebt ihn von anderen ab – er kann Geister sehen, berühren und mit ihnen kommunizieren. Eine Gabe, die für ihn aber mehr Fluch als Segen ist. Alles ändert sich, als er auf die Shinigami Rukia trifft. Sie gehört einer Gruppe an, die gegen bösartige Geister, sogenannte Hollows, kämpft – Wesen, die Unruhe in Ichigos Welt stiften. Als sich die Ereignisse überschlagen und Ichigos Schwester in Gefahr gerät, bleibt Rukia keine Wahl: Sie überträgt ihre Kräfte auf Ichigo, um alle zu retten. Während sie dadurch ihre eigene Macht verliert, wird Ichigo selbst zum Shinigami. Von nun an muss er sein neues Doppelleben meistern – als Schüler und als Teilzeit-Geisterjäger.
Soweit also zum Einstieg. Doch ich möchte betonen, dass die Geschichte von BLEACH weit komplexer und spannender ist, als es meine kurze Zusammenfassung vermuten lässt. Zum Glück deckt Rebirth of Souls einen Großteil der Originalstory ab – wenn auch in stark komprimierter Form. Der Storymodus ist in verschiedene Missionen unterteilt, in denen wir entweder Ichigo oder andere Charaktere steuern. Neben den Hauptkapiteln gibt es sogar brandneue Nebenhandlungen, die die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Das Spiel bietet eine Vertonung in Englisch und Japanisch, sodass Fans die Wahl haben. Insgesamt erfüllt der Storymodus seinen Zweck: Er bietet Neulingen einen kompakten Einstieg in die Welt von BLEACH und führt durch die wichtigsten Arcs und Momente der Serie. Allerdings bleiben tiefere Einblicke in die Charaktere aus, und nicht die gesamte Geschichte ist spielbar – insbesondere der letzte Abschnitt fehlt. Wer nach dem Durchspielen tiefer eintauchen möchte, kommt also um den Manga oder Anime nicht herum. Trotzdem hat der Storymodus seine Daseinsberechtigung, denn er eignet sich gut, um sich mit der Steuerung vertraut zu machen. Und am Ende geht es in einem Prügelspiel natürlich vor allem um eines: die Kämpfe – und wie gut diese umgesetzt sind.
BANKAI!
Wer schon einmal ein 3D-Fighting-Game wie Naruto Ultimate Ninja Storm gespielt hat, dem dürfte das grundlegende Konzept vertraut vorkommen: In einer zuvor gewählten Arena bewegen wir unseren Charakter frei und versuchen, die Lebensleiste des Gegners auf null zu bringen. BLEACH: Rebirth of Souls nutzt diese Formel ebenfalls, bringt jedoch eine interessante Abwandlung ins Spiel. Statt einer klassischen Lebensleiste besitzt jeder Charakter eine bestimmte Anzahl an Konpaku, die vollständig zerstört werden müssen, um eine Runde zu gewinnen. Dafür kommen Kikon-Angriffe zum Einsatz, deren Stärke unterschiedlich viel Schaden verursacht. Allerdings gibt es einen Kniff: Bevor ein Kikon-Angriff effektiv sein kann, muss zunächst das Reishi (die spirituelle Energie in BLEACH) des Gegners gesenkt werden – ein Wert, der dann schon eher einer klassischen Lebensleiste entspricht. Wer als Erstes keine Konpaku mehr hat, verliert die Runde.
Jetzt, wo ich das so schreibe, klingt das System vielleicht kompliziert – ist es aber nicht. Es ist einfach nur ziemlich originell. Reishi kann durch verschiedene Angriffe reduziert werden, darunter leichte und schwere Kombos sowie Spezialattacken. Dazu kommen noch andere Aktionen wie Blocks, Blockdurchbrecher und Ausweichmanöver. Zudem ist es möglich, sich hinter den Gegner zu teleportieren und weitere taktische Tricks einzusetzen. Für Anfänger kann das zunächst alles sehr überwältigend wirken, doch genau das macht den Reiz aus. Denn Rebirth of Souls hebt sich von anderen Genrevertretern durch eine durchaus steile Lernkurve ab . Wer sich aber die Zeit nimmt, die Mechaniken zu meistern, wird mit einem tiefgehenden und lohnenden Kampfsystem belohnt. So erhält man nach einiger Zeit auch die Möglichkeit, seinen Charakter weiter zu verstärken. Die meisten Shinigami können ihr Bankai entfesseln – eine mächtige Technik, die nicht nur ihr Schwert, sondern auch ihre Fähigkeiten erheblich verändert und verstärkt. Doch auch andere Charaktere verfügen über eine sogenannte Erwachen-Technik, die oft das Tempo des Kampfes drastisch erhöht und sogar spielentscheidend sein kann. Wer sich von der Fülle an Mechaniken anfangs überfordert fühlt, kann auf eine vereinfachte Steuerung zurückgreifen. Dennoch empfehle ich die fortgeschrittene Steuerung, da sie einfach deutlich mehr Möglichkeiten bietet und das volle Potenzial des Kampfsystems nutzt.
Was mir an den Kämpfen allerdings weniger gefallen hat, ist das Movement der Spielfigur. Bei normaler Bewegung wirken die Charaktere recht träge, während das Gedrückthalten des Dash-Buttons sie mit vollem Tempo direkt auf den Gegner zusprinten lässt – allerdings ausschließlich nach vorne. Seitliches oder rückwärtiges Sprinten ist nicht möglich, was sich etwas seltsam anfühlt. Ein einzelnes Drücken des Dash-Buttons führt hingegen zu einem kurzen Ausweichschritt, der in alle Richtungen möglich ist und hilft, Attacken zu entgehen. Zusätzlich gibt es die bereits erwähnte Teleportation hinter den Gegner, die nicht nur überraschend eingesetzt werden kann, sondern auch Kombos verlängert. Springen? Fehlanzeige. Und genau das ist ein wenig enttäuschend. BLEACH steht für schnelle, dynamische Kämpfe, doch das eingeschränkte Movement erschwert gezielte Finten oder ausgeklügelte Ausweichmanöver. Besonders im Vergleich zu anderen Genrevertretern fällt auf, dass hier deutlich mehr möglich gewesen wäre. Schade – denn mit einem flüssigeren Bewegungssystem hätte Rebirth of Souls das Kampfgefühl des Animes noch besser einfangen können.
Fast wie im Anime
Technisch läuft Rebirth of Souls solide – Frameeinbrüche oder Bugs? Fehlanzeige. Grafisch hingegen darf man kein Highlight erwarten. Das Spiel bewegt sich eher auf durchschnittlichem PS4-Niveau, insbesondere die Spezialattacken wirken überraschend unspektakulär. Hier haben Titel wie Naruto Ultimate Ninja Storm oder Dragon Ball Sparking! Zero deutlich mehr beeindruckende Effekte gehabt. Positiv hervorzuheben sind jedoch die originalgetreu und detailreich gestalteten Charaktermodelle sowie die Arenen, die ikonische Schauplätze der Serie widerspiegeln. Leider trüben auch hier einige unsaubere Texturen den Gesamteindruck. Nach der längeren Entwicklungsdauer, wäre mit den heutigen Möglichkeiten definitiv mehr drinnen gewesen.
Ein echtes Highlight ist hingegen der Soundtrack, der das BLEACH-Feeling perfekt einfängt. Auch die Synchronisation überzeugt auf ganzer Linie: Viele bekannte Stimmen aus dem Anime sind mit dabei, was besonders dann zur Geltung kommt, wenn die Charaktere ihre Techniken ausrufen oder Cutscenes in der Story abgespielt werden. Da bekommt man direkt Lust, die Serie wieder einzuschalten!
Zusammenfassung
FAZIT
Alles in allem ist BLEACH: Rebirth of Souls ein spaßiges 3D-Prügelspiel, das vor allem für Fans der Serie ein echtes Must-Have sein dürfte. Die vielfältige Charakterauswahl, das durchdachte Kampfsystem und der mitreißende Soundtrack sind definitiv Highlights. Allerdings entfaltet das Spiel diese Magie erst mit der Zeit. Gerade zu Beginn fühlt sich das Kampfsystem noch etwas träge an – oft läuft es darauf hinaus, dass man sich mit dem Gegner abwechselt: Einer greift an, der andere blockt. Doch sobald man die Mechaniken verinnerlicht hat, macht es Klick und die Kämpfe gewinnen spürbar an Dynamik.
Dennoch gibt es einige Schwächen, die nicht ignoriert werden können. Grafisch wäre definitiv mehr drin gewesen – die visuellen Effekte sind eher mau und nicht mehr so richtig zeitgemäß. Der Storymodus ist zwar eine nette Ergänzung, aber kein Kaufgrund zum Vollpreis. Auch der Langzeitspaß leidet etwas, wenn man nicht regelmäßig online oder mit Freunden spielt. Zusätzlich gibt es ein Item-System, mit dem man seinen Charakter im Shop verstärken kann – ein Feature, das in diesem Genre meist fehl am Platz wirkt. Und dann wäre da noch ein großer Kritikpunkt: Es gibt bislang keine Rangliste. Gerade in Fighting Games ist das oft der größte Anreiz für Spieler, sich langfristig zu verbessern und zu messen.
Wer jedoch über diese Makel hinwegsehen kann, bekommt hier ein grundsolides und unterhaltsames BLEACH-Game, das mit ein paar Verbesserungen eine echte Alternative zu anderen Genrevertretern sein könnte. Ich für meinen Teil werde wohl noch eine ganze Weile dabeibleiben – und trotz aller Schwächen mit einem breiten Grinsen vor dem Bildschirm sitzen, wenn Ichigo voller Kraft sein wohl bekanntestes Wort schreit: BANKAI!