Mit The First Berserker: Khazan wagt sich Entwickler Neople deutlich aus seiner Komfortzone und betritt neues Terrain: das beliebte Soulslike-Genre. Das Spiel basiert auf dem eher unbekannten Dungeon & Fighter-Universum – doch keine Sorge, Vorkenntnisse sind nicht nötig. Denn das Spiel rund um Großgeneral Khazan macht sein ganz eigenes Ding und bietet eines der besten, aber auch härtesten Erlebnisse, die das Genre zu bieten hat.
Ich bin ganz ehrlich: Ich bin ein echter Soulslike-Junkie. Kaum ein Spiel dieses Genres ist an mir vorbeigegangen, und genau deshalb hatte ich schon beim ersten Trailer von The First Berserker: Khazan Gänsehaut. Es sah einfach zu gut aus – schnelle, dynamische Kämpfe, ein individueller Artstyle und eine düstere Geschichte in einer noch düsteren Welt. Sicher, das ist keine revolutionäre Formel, aber genau das, was ich mir von solch einem Titel wünsche. Und was soll ich sagen? Khazan hat diese Erwartungen fast vollständig erfüllt.

Die Reise von Großgeneral Khazan
Unsere Geschichte beginnt für unseren Protagonisten alles andere als angenehm. Khazan, der größte Krieger des ruhmreichen Pell-Los-Imperiums, besiegte einst gemeinsam mit seinem Freund Ozma, einem talentierten Magier, den gefürchteten Berserkerdrachen Hismar. Doch kurz nach ihrem Triumph wird Khazan als Verräter gebrandmarkt, gefoltert und ins Exil geschickt. Ozma ereilt ein noch schlimmeres Schicksal – er wird ohne Zögern hingerichtet. Zurück bleibt ein gebrochener Mann. Doch das Leben – oder besser gesagt, der Tod – ist noch nicht fertig mit ihm. Mit den dunklen Kräften der Unterwelt ausgestattet, sinnt Khazan nun auf Rache an all jenen, die ihm und seinem Freund Leid zugefügt haben.
Eine typische Rachegeschichte also? Nicht ganz. Khazan erzählt eine spannende und mit einigen Twists gespickte Erzählung, die bis zum Ende fesselt. Dabei erleben wir seine Reise nicht in einer Open World, sondern folgen einer missionsbasierten Struktur, ähnlich wie in Nioh. Die Missionen unterteilen sich in Haupt- und Nebenaufgaben. Letztere dienen hauptsächlich dazu, Nebencharaktere einzuführen oder neue Mechaniken wie das Schmieden von Ausrüstung freizuschalten. Die Level sind, wie aus anderen Genrevertretern bekannt, größtenteils linear aufgebaut, bieten aber genug verwinkelte Abschnitte mit versteckten Geheimnissen. Neben unzähligen Gefahren warten hier auch wertvolle Sammelobjekte – etwa die gut versteckten Seelenkristalle, die Khazan nach und nach stärken. Das motiviert dazu, jedes Level, ob Haupt- oder Nebenmission, gründlich zu erkunden.
Unsere Reise führt uns durch eine Vielzahl eindrucksvoller Schauplätze: von eisigen Bergen über antike Tempel bis hin zu verwüsteten Dörfern und prunkvollen Städten. Allerdings ist die Farbpalette oft etwas zu eintönig – Grau- und Brauntöne dominieren das Bild, was auf Dauer etwas ermüdend wirkt. Dafür überzeugt das eigentliche Leveldesign auf ganzer Linie: Kleine Rätsel, clever platzierte Shortcuts und eine faire, aber herausfordernde Gegnerverteilung sorgen für ein intensives, befriedigendes Spielerlebnis. Ich bin mehr als einmal ins Schwitzen geraten, hatte aber nie das Gefühl, unfair überrannt zu werden – Daumen nach oben.
The First Berserker
Schaut man sich die Trailer von The First Berserker: Khazan an, erinnert das Gameplay auf den ersten Blick kaum an ein klassisches Soulslike. Der Bildschirm ist vollgepackt mit Effekten und Animationen, sodass man schnell den Überblick verlieren könnte. Doch ich kann Entwarnung geben: Auch wenn manche Spezialattacken übertrieben inszeniert sind, beeinträchtigt das keineswegs das Spielgefühl – im Gegenteil. Da Khazan stark auf Präzision und Timing setzt, fühlt sich das Kampfgeschehen umso befriedigender an.
Doch fangen wir bei den Basics an. Wie in vielen anderen Genrevertretern basiert das Kampfsystem auf drei zentralen Säulen: Angreifen, Blocken und Ausweichen. Angriffe unterteilen sich in leichte und schwere Attacken, die sich miteinander verketten lassen. Schwere Angriffe können zudem aufgeladen werden, um zusätzlichen Ausdauerschaden zu verursachen. Jeder Gegner besitzt eine eigene Ausdauerleiste – sobald diese auf null fällt, wird seine Haltung gebrochen, was ihn für besonders brutale Angriffe anfällig macht. Noch effektiver kann man die Leiste durch perfekt getimte Blocks reduzieren, die jedoch einiges an Geduld und Präzision erfordern. Auch perfektes Ausweichen bietet oft die perfekte Gelegenheit für einen Konterangriff. Revolutionär ist diese Formel sicherlich nicht, doch sie ist so gut umgesetzt, dass man darüber gerne hinwegsehen kann. Das Gameplay fühlt sich unglaublich flüssig an, und sobald man sich einmal eingespielt hat – was spätestens bei den Bosskämpfen unausweichlich ist – entsteht ein regelrechter Tanz zwischen Khazan und seinen Gegnern.
Insgesamt stehen uns drei Waffen zur Verfügung: Großschwert, Speer und eine Kombination aus Schwert und Axt. Klingt nach wenig Auswahl – und das ist es auch. Zwar hätte etwas mehr Abwechslung nicht geschadet, doch die vorhandenen Waffen sind so individuell gestaltet, dass für jeden Spielstil etwas dabei ist. Besonders gefallen hat mir die Kombination aus Schwert und Axt, die auf einen schnellen, hektischen Kampfstil setzt. Allerdings erfordert dieser Präzision, da er viel Ausdauer verbraucht und große Wind-ups bei den Waffenfähigkeiten mit sich bringt. Mit Fähigkeitspunkten, die man durch das Spielen verdient, lassen sich außerdem allgemeine als auch waffenspezifische Skills freischalten. Zusätzlich erhält Khazan durch sogenannte Phantome nochmals weitere Verbesserungen – etwa eine schnellere Ausdauerregeneration. Die verschiedenen Rüstungsteile, die man von Gegnern oder aus Truhen erbeuten kann, bieten zudem verschiedene Werte, Effekte und Set-Boni, die den eigenen Build beeinflussen. Außerdem erhält man durch besiegte Gegner Lacrima – die Währung, mit der sich Khazans Level und Attribute wie Vitalität (maximales Leben) verbessern lassen. Die klassische Soulslike-Mechaniken eben.
Besonders die einzelnen Gegnerdesigns sind sehr gut gelungen. Von einfachen Soldaten über Yetis bis hin zu furchteinflößenden Dämonen bietet Khazan eine beeindruckende Bandbreite an Feinden. Dennoch hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht, da sich manche Gegnertypen mit der Zeit dann doch wiederholen. Dafür sind die Hauptbosse umso beeindruckender – sowohl optisch als auch spielerisch. Ganz ehrlich: Mehr als einmal saß ich vor dem Bildschirm und dachte mir, dass ich diesen Boss einfach nicht schaffen werde. Die großen Maingegner gehören für mich mit ihren einzigartigen Angriffsmustern und Movesets definitiv zu den herausforderndsten im gesamten Genre. Kleiner Tipp: Wer sich selbst ein Bild von einigen Bossen machen machen möchte, kann sich die kurzen Boss-Showcases ansehen, die die Entwickler als 30-sekündige Trailer auf YouTube veröffentlicht haben. Erwähnenswert bzw. kritisierbar ist auch, dass manche Nebenmissionen Boss-Reskins enthalten. Diese kommen jedoch oft mit neuen Moves und einem leicht überarbeiteten Design daher, was sie weiterhin zu einer ernstzunehmenden Herausforderung macht.
Frischer Wind im Genre
Aus reiner Gameplay-Sicht macht Khazan vieles nicht nur richtig, sondern überdurchschnittlich gut. Doch es ist nicht allein das Kampfsystem, das das Spiel so besonders macht. Ein weiteres herausstechendes Merkmal ist der ungewöhnliche Artstyle, den die Entwickler gewählt haben. Nur wenige Genre-Vertreter setzen auf einen ähnlich stilisierten Look – Code Vein kommt mir dabei als grober Vergleich in den Sinn. Dieser Stil ist vielleicht nicht jedermanns erste Wahl, und gerade manche Charaktermodelle wirken in dem düsteren Setting fehl am Platz. Dennoch gehört die visuelle Präsentation insgesamt zu den Stärken des Spiels: Spritzendes Blut, brodelnde Unterweltenergie, brennende Häuser, Haufen aus Leichen und giftige Lacken – Khazan drückt dem Genres visuell seinen Stempel auf. Einziger Wermutstropfen sind einige Boss-Angriffe, die mit ihren schwammigen oder etwas lieblos gestalteten Effekten aus dem sonst starken Gesamtbild herausfallen.
Was den Soundtrack angeht: Hier spielt Khazan definitiv in der obersten Liga des Genres mit. Besonders die Boss-Themes sind individuell und einprägsam komponiert – viele Tracks bleiben auch nach dem Kampf noch im Kopf. Auch innerhalb der Level wird man stets von stimmungsvoller Musik begleitet, mal mehr, mal weniger präsent. Die Soundeffekte der Angriffe sind druckvoll und geben den Kämpfen eine spürbare Wucht. Ein kleines Manko ist jedoch die englische Synchronisation. Während Khazan selbst – gesprochen von Ben Starr – eine großartige Stimme hat, erreichen viele NPCs und Gegner nicht immer dieses hohe Niveau. Aus diesem Grund habe ich das Spiel mit japanischer Sprachausgabe gespielt, was für mich die deutlich immersivere Wahl war.
Eine interessante Entscheidung für das Genre ist die Einführung von Schwierigkeitsgraden. Nach Abschluss der ersten Mission kann man zwischen dem normalen und einem einfacheren Modus wählen. Das ist für Soulslikes untypisch, aber angesichts der enormen Herausforderung von Khazan möglicherweise doch eine sinnvolle Ergänzung. Natürlich wird die alte Diskussion darüber, ob ein Soulslike knallhart und erbarmungslos sein muss, hier wieder aufflammen. Doch letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie er spielen möchte. Auch wenn ich persönlich Herausforderungen liebe, finde ich es gut, dass Leute, die einfach nur ein cooles Spiel erleben wollen, nicht stundenlang an einem Boss festhängen müssen. Immerhin spielt man Singleplayer-Games in erster Linie für sich selbst – und nicht, um anderen etwas zu beweisen.
Zusammenfassung
FAZIT
Falls es beim Lesen nicht ohnehin schon aufgefallen ist: Ich liebe The First Berserker: Khazan. Spannende Kämpfe, coole Bosse, ein starker Soundtrack, ein durchdachtes Build-System und eine enorme Wiederspielbarkeit dank New Game Plus sowie mehrerer Enden – all das ist so verdammt gut umgesetzt, dass Genrefans das Spiel meiner Meinung nach schnell in ihr Herz schließen werden. Technisch gab es auf meiner PS5 kaum Probleme. Abgesehen von einem einzigen Absturz – bei dem mein Speicherstand glücklicherweise erhalten blieb – lief das Spiel einwandfrei. Die geringe Waffenauswahl, einige weniger ansprechende Effekte, die repetitive Farbpalette der Levels und die durchwachsene englische Synchronisation sind Kritikpunkte, aber letztlich Meckern auf hohem Niveau. Diese kleinen Schwächen verblassen angesichts dessen, was der Titel insgesamt bietet. Unterm Strich muss sich The First Berserker: Khazan vor keinem anderen Genre-Vertreter verstecken, und auch wenn es einige Dinge neu macht, ist es im Kern doch vor allem eins: eine brachiale, berserkermäßige Interpretation des Genres – und Soulslike at its Best.